| Baubericht |
|
|
There are no translations available.
Dies ist der Baubericht zu einer Konzertgitarre am Beispiel meiner R2, der wie eine vorher/nacher Show aufgebaut ist. Es geht um einen Bau mit Zeder als Deckenholz und Cocobolo für Boden und Zargen, das Innenholz ist komplett Fichte, Griffbrett ist Ebenholz, das Kopffurnier und der Steg aus Palisander. Der Hals ist Cedro.
Sämtliche Fotos zeigen die Teile im Rohzustand und im fertigen Zustand, teilweise auch halbbearbeitet. Und ich habe ein paar konzeptionelle Dinge miterwähnt, damit ihr lesen könnt, was so für Gedanken dahinter stehen. Viel Spass beim Lesen!
Als erstes seht ihr hier den Stegrohling und drunter den fertigen Steg, bei dem nur noch die Auflage auf den Knüpfblock fehlt – die Idee hierzu habe ich schon, nur noch keine Zeit, sie umzusetzen. Beim Steg ist die Breite entscheidend, Standard ist ca. 19 cm, ich habe 18 cm genommen, da ich mit dem Steg die Decke nicht unnötig sperren will und ausserdem dann unter den Steg-Enden bei meiner Beleistung keine Fächerleisten sind. Lt. Sebastian Stenzel sind Leisten unter den Steg-Enden verantwortlich für schwache Obertöne. Der eine cm sorgt dafür, dass die Leisten genau ausserhalb des Steges laufen und wir werden sehen, ob Stenzel recht hat!
Auf diesem Foto ist der Hals zu sehen und darunter die beiden rohen Balken und das rohe Kopffurnier. Beim Hals gibt es einmal die Kopfanleimung, die bei mir auf die einfache spanische Art gemacht ist mit einem schrägen Sägeschnitt (14°) wird die Kopfplatte an den Hals angeleimt. Das ist zu sehen an dem hellen Holzübergang am Kopf. Eine weitere Besonderheit ist die Aussparung am Halsfuss, in die die Zarge gesteckt wird, die dann mit einem Keil verklemmt und dadurch fest verleimt wird. Das habe ich von Andreas Kirschner und es ist eine sehr gute, sichere und stressfreie Art, Hals und Zarge zu verbinden.
Das nächste Foto ist das Reiffchenholz von unten nach oben roh – halbfertig gehobelt – fertig geschnitten und gebogen. Die Reiffchen werden später innen an die Zarge geleimt und dienen zur Verleimung des Bodens. Die Decke mach ich über einzelne dreickige Klötzchen, die ich noch fotografieren muss. Bei den Reiffchen ist die Besonderheit, dass die Jahresringe liegen da ich mir davon mehr Statik verspreche.
Dann kommen wir zur Zarge, die von unten nach oben wieder roh und ca. 5 mm dick- gehobelt auf 2,2 mm – und gebogen und mittels Unterklotz verleimt ist. Dabei ist das Besondere die Dicke, die bei Gitarrenbauern von 1 mm bis zu 3 mm geht und damit natürlich unterschiedlich stark zur Statik beiträgt. Ich verspreche mit von den 2,2 mm wie schon bei meiner R1 eine schöne weiche Spielbarkeit und ausserdem ist der Cocobolo beim Biegen dermassen widerspenstig, dass er dicker kaum zu bändigen wäre…
Weiter geht’s mit der Decke, die ihr unten roh und in zwei Hälften seht und oben im Endzustand kurz vorm „Aufschachteln“. Die Zeder wird ca. 5 mm dick im Tonholzhandel verkauft und ich habe sie auf 1,5 bis 2 mm gehobelt, was für Zeder die absolut unterste Grenze ist, da sie nicht so sehr stabil ist, wie Fichte, dafür aber wunderbar zu verarbeiten! Ich würde Anfängern im Gitarrenbau zur Zeder raten, weil sie viel leichter zu bearbeiten ist.
Als Schallochverzierung kommt wieder (mein Markenzeichen) das von schwarz/weissen ringen eingefasste Bodenholz zum Einsatz. Dazu habe ich Reste des Boden so gefugt, dass ich daraus einen Ring ausschneiden konnte, bei dem kein Übergang in der Maserung mehr zu sehen ist. Die nächsten beiden Fotos zeigen die Deckenoberfläche vor und nach der Bearbeitung, wobei ich kein einziges mal mit dem Schleifpapier drüber bin, sondern alles mit der Ziehklinge gemacht habe. Schleifpapier fällt deswegen aus, weil es das Holz zusammendrückt und die Oberfläche statisch und optisch eigentlich zerstört. Da ist ne 0,3 mm dicke Ziehklinge viel besser und sogar viel schneller!
An der Schallochverziehrung sieht man noch, dass ich den Teil des Griffbretts ausgelassen habe. Das habe ich von José Romero, da dadurch später der volle Kontakt zwischen Griffbrett und Decke erhalten bleibt und das angeblich die Schwingungsübertragung vom Bundstab zur Decke in den hohen Lagen entscheidend verbessert – mal sehen!
So, dann kommen wir zum Beleistungsholz, das von links nach rechts im groben Stück, in Leisten zersägt, fein gehobelt und auf Grundstärke gebracht und schliesslich auf die Decke geklebt und teilweise schon fertig verschnitten zu sehen ist. Die quer geleimten Deckenbalken werden noch verschnitten.
Folgende Besonderheiten sind dabei zu beachten, für alle, die auch seblst mal eine Gitarre bauen wollen: Beleistung immer mit stehenden Jahresringen, die letzte Bass- und Diskant-Fächerleiste geht unter dem Hauptbalken durch und soll die Decke im Bereich des Schallochs noch zu obertönigen Schwingungen verleiten. Ein schräger Hauptbalken soll einen kürzeren Diskant- (links) und einen längeren Bassbereich (rechts) herstellen, analog der Schwingungslänge. Die Beleistung ist im Bau der wohl meist diskutierte Bereich einer Gitarre und es gibt nicht DIE Beleistung (sonst gäbe es nur gute Gitarren) und mit den unterschiedlichsten Systemen entstehen hervorragende Gitarren. Meine Eigenkonstruktion besteht aus folgenden Anregungen: 7er Fächer und durchgehende Bass- und Diskantleiste von Torres, schräger Deckenbalken von Martin und aus dem X-Bracing entnommen, Schallochunterfütterung ist üblich, neben dem Schalloch der schräge Balken im Diskantbereich und der kleine Fächer im Bassbereich sind eigene Ideen. Und schliesslich und endlich noch der Boden, der ebenfalls 2,2 mm stark ist, mit einer Fugleiste in der Mitte – weil der Boden leicht verzogen war und ich die Leimfuge unterstützen wollte. Normalerweise macht man die Fugleiste nur bei Einsatz eines Zierspanes in der Mitte. Ansonsten ist der Boden mit drei Querbalken beleistet, die so gehobelt sind, dass er um etwa 5 mm gewölbt ist. Versucht mal, ein Blatt Papier auf den Tisch zu stellen, es geht nur, wenn ihr es wölbt – diesen Effekt benutzt man auch beim Gitarrenboden für viel mehr Statik. Die Balken habe ich dieses mal total robust gemacht, weil ich einen sehr stabilen Boden haben will. Dann habe ich bei Kenny Hill gesehen, dass er den Boden noch mit kleinen Leisten absperrt, damit er möglichst wenig schwingt und dafür die Schallschwingungen im Innenraum besser reflektiert. Das führt laut ihm zu einer viel höheren Lautstärke – wie werden es hören!
Hier ist nun der zweite Teil mit dem Zusammenbau der im ersten Teil beschriebenen Gitarrenteile.
Als ersten Schritt wird im Zusamenbau der Hals mit der Decke verleimt. Dazu wird am Halsfuss an der Oberseite genau die Deckenhöhe mit dem Stechbeitel weggenommen, damit später die Halsoberseite mit der Decke eine Ebene bildet. Das Schwierige daran ist, das man nicht nur genau die Deckenhöhe erwischen muss, sondern im 1/10 mm Bereich auch schräg abnimmt, da der Hals eine leichte Neigung zur Decke hat. Er soll am Sattel etwa 1,5 mm höher sein, als am 12ten Bund. Diese Halsneigung wird uns noch über den gesamten Zusammenbau begleiten und sie ist für die spätere Bespielbarkeit entscheidend. Die Verleimung findet auf der „Solera“ statt, so nennen die Spanier dieses Montagebrett. Der kurze Halsansatz ist ebenfalls so abgehobelt, dass der Hals in der zukünftig gewünschten Neigung liegt:
Ein zweiter, wichtiger Aspekt beim dieser Verleimung ist die exakte Flucht von Halsmitte zur Deckenmitte. Jede Abweichung endet darin, dass der Steg nicht mittig auf der Decke sitzen kann oder dass in krassen Fällen die Saiten sichtbar schief über den Hals laufen. Beides wäre eine Schande für einen Gitarrenbauer…
Ich habe zuerst die Flucht eingestellt und dazu zwei Nadeln in die Halsmitte gestochen (als Kimme und Korn) und eine dritte Nadel an das Ende der Decke genau in die Fuge gesteckt und dann über Kimme und Korn auf die dritte Nadel gezielt. So geht das genauer als mit jedem Messen oder Anzeichnen oder sonstigen Verrenkungen… Dann beide Teile mit der Zwinge gehalten und dann mit einem Zahnstocher zwei kleine Dübel gesetzt, die die Flucht auch während des Leimens sichern. Solche flächigen Verleimungen fangen gerne an, im Leimbad zu schwimmen und dann trocknet alles und nichts stimmt mehr…
Danach geht es weiter und die Zarge wird in die Aussparung am Halsfuß gesteckt und verleimt. Ebenso werden die Deckenbalken und der Endklotz auf die Decke geleimt. Damit alles exakt sitzt habe ich mir für meine Gitarrenform eine Aussenform gefräst, die alle Teile sichert und an ihrem Platz hält.
Hier sieht man noch mal die Verbindung Hals/ Zarge:
Dabei fällt auf, dass die Zarge noch höher ist, als der Halsfuss. Das wird nun angeglichen, doch zuvor noch schnell ein Bild zu den im Teil 1 noch versprochenen kleinen Dreiecksklötzchen, von denen bald 140 Stück die Decke mit der Zarge verbinden:
Im fertigen Ausbau sieht die sog. "Schachtel" nun so aus:
Alle Klötzchen sind verleimt und die Decke ist vollkommen spannungsfrei mit der Zarge verbunden. Die Deckenbalken sind in Aufnahmen an der Zarge verankert, die ich gerne etwas wuchtiger mache, da darüber sehr viele Kräfte abgeleitet werden. Und die Zarge ist auf die endgültige Höhe so angepasst, dass der Boden ohne jeglichen Verzug und ohne die geringste Lücke überall bündig aufliegt. Das Bodenreiffchen ist angebracht, ebenfalls auf die Höhe der Zarge angepasst und mit den Aussparungen versehen, die gleich die Bodenbalken aufnehmen werden.
Auf diesem Foto sieht man noch dazu die Aussparungen am Hauptbalken, durch die die beiden Fächerleisten laufen.
So, dann geht’s wieder ab auf die Solera, der Hals wird fixiert (Halswinkel!) und der Boden wird aufgeleimt. Wenn die Zargen gut angepasst sind, reicht es aus, ihn mit starkem Hosengummi und am Halsfuss und am Endklotz mit einer Zwinge zu fixieren. Nun ist die Halsneigung definitiv festgelegt und erst jetzt ist sie endgültig. Sie könnte nur noch durch Hobeln der Halsoberfläche verändert werden, was aber eher Reparatur-Charakter hat und eigentlich nicht zum Bau einer Gitarre gehört. Durch die Verbindung des Bodens mit dem Halsfuss wird der Hals definitv gehalten. Beim Abrichten der Zarge muss daher auch der Halsfuss so gewinkelt und angepasst werden, dass kein Haar mehr zwischen Halsfuss und Boden passt.
Dies ist also der aktuelle Baufortschritt. Die Schachtel ist zu und nie wieder wird sie jemand von innen sehen! Was für ein Augenblick! Im nächsten und letzten Teil geht es an die Verzierungen und das Finish!
Hier ist nun der dritte und letzte Teil mit dem Finish der in den ersten beiden Teilen beschriebenen und zusammengebauten Gitarrenteile. Nach dem Entfernen des Hosengummis als letztem Schritt des Zusammenbaus werden zunächst Decke und Boden bündig zur Zarge abgefräst. Danach wird alles fein geputzt und schön geschliffen. Das ist ein wichtiger Schritt, denn nach dem Anbringen der Randleisten würde schleifen und putzen zu Lasten der Randleistendicke gehen, was nicht erwünscht ist. Deswegen wird’s in diesem Schritt so weit gemacht, dass die Gitarre eigentlich lackier bzw. polierfertig ist. Und weil das so sauviel Arbeit ist, gibt’s keine Fotos davon – die wären auch recht langweilig… Interessanter ist das Ergebnis der Fräsungen für die Randleisten und Zierspäne:
![]() …und man kann den Deckenklötzchen ein letztes „Hallo“ sagen…
So, nun geht’s weiter mit dem Anleimen der vorher gebogenen Randleisten und Zierspäne, wobei ich die Zierspäne nur an der Taille vorgebogen habe, die anderen Biegungen verkraften sie auch ohne Biegeeisen. Ich habe die Ränder am Boden mit einem Klebeband fixiert, so wie das z.B. Voigt in seinen Kursen lehrt. An der Decke habe ich mit der alten Wickel-Methode auf Empfehlung von Andi Kirschner gearbeitet. Bislang hatte ich immer die Klebebeband-Methode gewählt, aber mit den nun gemachten Erfahrungen werde ich nur noch wickeln! Das ist wesentlich relaxter und hält 1000mal besser, was für die Statik entscheidend ist. Vom Klang ganz zu schweigen, doch dazu später mehr.
![]() Nach dem Trocknen heisst es nun, die Ränder bündig zu arbeiten. Das geht grob mit dem Hobel und fein mit der Zierklinge. Schleifpapier ist hier total tabu, weil die hellen Bereiche der Zierspäne sonst mit dem Staub des Palisanders versaut werden und das geht nie mehr raus… Nach dem Bündigarbeiten steht nun noch mal der letzte Putz ins Haus. Sämtliche Leimreste und Unebenheiten müssen beseitigt werden, da der Schellack im nächsten Schritt wie eine Lupe alle Fehler 1000fach vergrössert!
Dabei heisst es, bloss nirgends abrutschen, weil ab jetzt Fehler nicht mehr korrigierbar sind. Die Decke ist schon auf Endstärke und jede Delle wird zur Katastrophe! Dafür geht es jetzt los mit Abkleben der späteren Leimflächen fürs Griffbrett und für den Steg:
Und Aufbringen der ersten Grundpolitur, die darin besteht, mit geringsten Mengen an Schellack und Bimsmehl die Poren des Holzes zu schliessen. Hier sieht man die teilweise noch offenen Poren recht gut:
Dann ging’s zur „Anprobe“ des Griffbretts auf die fast fertig polierte Gitarre. Dabei ist ein lückenloses Aufliegen des Griffbretts, die absolute Parallelität zur Ebene der Decke und eine letzte Möglichkeit zur Korrektur des Halswinkels zu beachten. Dafür muss man sich Zeit nehmen, weil das der letzte Schritt ist und es lohnt sich, da genau zu sein!
Wenn alles passt, kann aufgeleimt werden. Wie auf dem Foto zu sehen ist, habe ich das Griffbrett recht dünn gemacht und eine Zwischenschicht aus Cedro untergeleimt. Damit ist das Griffbrett auf der Decke erhöht, was das Spiel in den höchsten Lagen erleichtert und es wirkt dennoch nicht wie ein Balken, sondern liegt optisch leicht und fast filigran auf:
![]() Hier sieht man noch mal schön das Farbspiel des Cocobollo an den Zargen:
![]() Danach wird die Position des Steges genauestens vermessen, wobei ich zur Mensurlänge ca. 1,5mm Ausgleich dazugebe, die benötigt werden, wenn die Saiten in den hohen Lagen nach unten gedrückt werden. Würde man genau 650mm nehmen, würde die Gitarre nur in den Flagoletts bundrein klingen, nicht aber in den normal gespielten Lagen. Vor lauter Nachmessen und Feinjustieren habe ich die Fotos des Stegleimens vergessen, aber das ist reichlich unspektakulär…
Und hier sind nun die Fotos des Endergebnisses:
![]() ![]() ![]()
|